Zurück zu Familie Müller
Wie der Mensch (Familie Müller aus Nürnberg)
auf den Hund (Basenji) kam



Wir, das sind Bärbel (45), Winfried (47), Christina (23), David (22) und Julia (17) Müller, leben seit 17 Jahren in der näheren Umgebung Nürnbergs.Wie in vielen Familien mit Kindern gab es zu jeder Zeit irgendwelche Kleintiere wie Vögel, Fische, Schildkröten und Wüstenrennmäuse, welche von den Kindern gepflegt und geliebt wurden. Immer wieder wurde natürlich der Wunsch nach einem "richtigen" Haustier geäußert, falls in der Nachbarschaftgerade wieder ein Wurf junger Welpen oder ein streunendes Kätzchen zu bestaunen war. Der Hinweis auf das Verbot der Tierhaltung gemäß Mietvertrag und das dann doch wieder nachlassende Interesse der Kinder ließen jedoch keine ernsthaften Diskussionen aufkommen.

Die Situation änderte sich, als Julia etwa 10 Jahre alt war. Sie schloß Freundschaft mit "Benny", einem Bearded Collierüden, und einem kleinem Shih-Tzu namens "Rambo" aus der Nachbarschaft. Der Bearded Collie wurde oft unter Begleitung der Familienmitglieder ausgeführt, und der Shih-Tzu kam immer wieder allein in den Garten und auf die Terrasse und forderte die Anwesenden zum Spielen auf. In dieser Zeit wurde der Wunsch nach einem eigenen Hund immer lauter - aber es bestand immer noch das Verbot der Tierhaltung.

Dann erfolgte ein Umzug in ein größeres Haus, auch hier sah der Standardmietvertrag das Verbot der Tierhaltung vor. Schnell hatte Julia wieder in der Nachbarschaft einen Hund ausfindig gemacht. Es war Francy, ein Entlebucher Sennhund, den sie in ihr Herz geschlossen hatte.Obwohl sich die Besitzerin nicht vorstellen konnte, daß ihr Hund mit einer fremden Personen fortgehen würde, gestattete Sie Julia einen Versuch. Francy ging mit, und sie schlich sich auch in die Herzen der übrigenFamilienmitglieder ein, indem sie, die eigentlich eher mißtrauisch war, alle jedesmal herzlich begrüßte, wenn Julia mit ihr ins Haus kam. Die Ausdauer, mit der Julia sich um die Hunde kümmerte, und die erlebte Freude mit den Tieren ließ alle Vorbehalte gegen die Haltung eines Hundes schwinden. Innerhalb der Familie wurden nun doch lebhafte Diskussionen geführt und jeder erklärte sich bereit, Mitverantwortung für einen Hund zu übernehmen. Es sollte ein nicht zu großer, selbstbewußter Hund sein - die Wahl der Rasse fiel auf einen West Highland White Terrier.

Wir schafften uns Bücher über die Erziehung von Hunden und über West Highland White Terrier an. Jetzt plagten uns bereits Zweifel, ob wir die richtige Wahl getroffen hatten. Wie sollten wir als Ersthundebesitzer erkennen können, ob ein Hund die richtige Front, die richtige Hinterhand, die korrekt angesetzte Rute, ein vollständiges Gebiß, die richtige Stellung der Ohren und eine ausreichende Pigmentierung aufweist? Wie würden wir mit dem Trimmen zurechtkommen? Wenn wir uns einzelne Exemplare der Rasse in unserer Umgebung ansahen, sahen eigentlich alle unterschiedlich aus und keiner schien dem Standard zu entsprechen. Wer wäre der richtige Züchter? Hatten wir uns überhaupt für die richtige Rasse entschieden? Nochmals wurde ein Foliant mit allen Hunderassen durchgeblätter. Auf den ersten Seiten unter "B" fiel unser Augenmerk auf einen Hund, der mit faltenreicher Stirn, einem kecken Ringelschwanz, aufmerksamen Stehohren und eleganter Körperhaltung seinem unergründlichen Blick auf uns richtete und uns faszinierte. Wir begannen zu lesen und waren begeistert. Als positive Eigenschaften wurden sein fehlender Hundegeruch, seine augeprägte Fellpflege, die im Jahr nur einmalige Läufigkeit der Hündin, seine Intelligenz, seine Anhänglichkeit, das fehlende Bellen und seine Kinderfreundlichkeit herausgestellt. Er wurde aber auch als schwer erziehbar und, was uns etwas entmutigte, als in Deutschland nur selten zu sehende Rasse beschrieben. Der Leser dieser Zeilen weiß natürlich um welchen Hund es sich hierbei handelte - um den  B A S E N J I.

Wir schrieben an den Verband für das Deutsche Hundewesen mit der Bitte, uns Listen der Züchter von West Highland White Terriern und Basenjis zu senden. Der Verband gab unsere Bitte an die entsprechenden Vereine weiter, so daß wir von diesen mit Informationen versorgt wurden. Der Klub für Terrier e.V. schickte uns seine professionelle Hochglanzbroschüre mit 3 eng bedruckten Seiten einer Züchtertafel. Der 1. Basenji Klub Deutschland e.V. übergab uns ebenfalls eine kleine Informationsschrift mit der Anschrift von 5 Züchtern, davon einer in Dänemark. In einem ersten Telefongespräch im November 1992 informierten wir uns bei Frau Uschi Grewe weiter über die Rasse und erfuhren, daß Basenjis zum Jahresende geboren werden. Natürlich stellten wir auch die Frage nach dem Preis eines Welpen. Wir hatten darüber keine Vorstellung und waren auf alles gefaßt. Zum Glück lag dieser in einer Größenordnung, welche wir akzeptieren konnten. Wir faßten den Entschluß, uns von nun an auf diese Rasse zu konzentrieren. Auch die Vermieter wurden gefragt, ob sie mit der Hundehaltung einverstanden wären. Nachdem wir ihnen die Vorzüge der Rasse geschildert hatten, wobei uns erst nicht so recht Glauben geschenkt wurde, willigten sie dann doch ein.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir noch keinen leibhaftigen Basenji gesehen. Damit wir auch diese Informationslücke schließen konnten, wurde ein Termin in Sindelfingen vereinbart. Wir klingelten in der Watzmannstraáe 84. Hinter der Glastüre erschienen schemenhaft 3 Hunde, von denen uns einer (Alibaba?) mit einem kurzen, freundlichen "WUFF" begrüßte bzw. seinen Besitzern meldete. Uns wurde geöffnet und zum ersten Mal konnten wir drei sehr schöne Basenjis sehen - welch ein Anblick.

Viele Fragen wurden gestellt und alle wurden von Frau Grewe bereitwillig und verständnisvoll beantwortet. Da uns die Hunde fremd waren, verhielten wir uns reserviert. Aber Alibaba brach das Eis und ließ seinen Charme spielen. Im Haus waren die Hunde ruhig, doch beim Gassigang zeigten sie ihr Temperament. Gegen Ende des Besuches waren wir uns sicher, wir wollten einen Basenji. Uns beschlich allerdings das Gefühl, daß nicht wir uns einen Hund aussuchten, sondern wir geprüft wurden, ob wir würdig sind, Besitzer eines Basenjis zu werden. Obwohl Antari gedeckt war, konnten wir natürlich noch keine Zusage für einen Welpen erhalten, und es wurde in Erwägung gezogen, auf einen anderen Wurf auszuweichen. Es folgte eine Zeit der Ungewißheit. In der Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr kam dann die erlösende Nachricht vom Zwinger Ti-n Abou Teka, es waren 5 gesunde Welpen geboren und eines davon war für uns vorgesehen. Julia und David suchten den Namen aus, sie sollte  C I B U R A heißen. Eine Geburtsanzeige mit Foto folgte und wir rätselten, welches wohl unser Hund wird.

Fünf Wochen später ging es wieder nach Sindelfingen und wir konnten eine schlafende Welpenschar bewundern, wie wir sie noch nie gesehen hatten.Coco und Cibura lagen eng aneinander gekuschelt in einem Körbchen. In einem anderen erholten sich Cheprie, Cleo und Cocuri von ihrer letzten Rauferei. Wach entpuppten sie sich als eine wilde Rasselbande, deren größtes Vergnügen darin bestand, sich nachzujagen und gegenseitig in die Ohren und Fänge zu beißen. In fast jedem Buch wird in dem Kapitel über den Kauf von Hunden beschrieben, nach welchen Kriterien man sich einen Welpen aus dem Wurf aussuchen soll. Aber zu den geschilderten Auswahlverfahren kam es erst gar nicht. Frau Grewe hat mit sicher Hand bestimmt, welcher der 5 Racker zu uns passen würde. Es war die Erstgeborene, welche etwas kleiner als die übrigen war und, laut Züchterurteil, schon über eine ausgeglichenes Wesen verfügte. Julia hatte sich sofort in sie verliebt. Sie verbrachte fast 1 Stunde in knieender Stellung, weil Cibura auf ihrem Schoß eingeschlafen war und nicht durch eine unbedachte Bewegung aufwachen sollte. Der Abschied fiel schwer, und wieder folgte eine unendlich erscheinende Zeit voller froher Erwartung, aber auch gepaart mit einem bißchen Ängstlichkeit, ob es uns gelingen würde, zum ersten Mal ein kleines Hundewesen groß zu ziehen. Zur Beruhigung wurde zwischendurch mit Grewes telefoniert, wobei immer besonders darauf geachtet wurde, ob nicht im Hintergrund ein Jodler, Quieker oder Ähnliches zu hören war.

Am 20. Februar luden wir eine Decke und einen Hundekorb ins Auto und fuhren wieder nach Sindelfingen. Diesmal trafen wir die Welpen während ihres Spiels an. Cibura lief sofort auf Julia zu, so als würde sie sich an das erste Zusammentreffen erinnern. Immer wieder ging die wilde Jagd los. Ein beliebtes Opfer war Onkel Ali, der sich in seiner Not mit herunterhängenden Ohren auf das Sofa von Lars Grewe rettete. Stundenlang hätten wir dem Treiben der Welpen noch zusehen können, wohl wissend, daß wir so ein Ereignis nicht sehr oft zu sehen bekommen würden. Was uns erstaunte war die Tatsache, daß die Welpen im Alter von acht Wochen schon fast genau die Proportionen aufwiesen, wie ein erwachsener Hund. Die dicken Welpenpfoten und runden Schnauzen, welche für andere Rassen typisch sind, waren nicht so ausgeprägt. Es wurden wieder die gleichen Fragen gestellt und wieder die gleichen Antworten gegeben wie bei den ersten Besuchen und bei den Telefongesprächen. Das Interesse galt aber eigentlich nur noch den kleinen Rackern, und natürlich hatten wir nur noch Augen für Cibura. Der Abschied kam. Diesmal fiel es Frau Grewe schwer, sich von Cibura zu trennen. Im Auto bekam Julia Cibura auf den Schoß. In den ersten 5 Minuten stieß Cibura noch einige herzzerreißende Töne aus. Dann aber beschloß sie, die Fahrt nach Nürnberg schlafend zu verbringen. Jetzt waren wir mit unserem Basenji daheim und, abgesehen von der Telefonseelsorge der Familie Grewe, auf uns allein gestellt. Der Zeitpunkt war denkbar günstig. Julia und David hatten noch Ferien, Winfried hatte sich eine Woche Urlaub genommen und Bärbel war auch wie immer da. Das Haus war bereits hundesicher gemacht. Es waren Treppenschutzgitter montiert, Absturzsicherungen beim Treppenabgang angebracht, herunterhängende Kabel hochgelegt und Schuhe in den Schuhschrank geräumt worden. Ein alter Sessel wurde extra für Cibura ins Wohnzimmer gestellt.

Schon vorher hatten wir beschlossen, daß Cibura nicht bei uns sondern mit uns leben sollte. Wie jeder von uns sollte sie jedoch auch in ihrem eigenen Bett schlafen. Während der ersten Nächte schlief immer jemand im Wohnzimmer, damit sie nicht allein war. Anfangs mußte sie sich in ihrer neuen Umgebung erst orientieren. Wir gaben ihr jedoch ständig Gelegenheit, sich uns anzuschließen und mit uns zu spielen. Oft schlief sie im Schoß oder auf dem Bauch eines Familienmitgliedes. Bereits nach einigen Tagen wurden wir jeden Morgen mit einem Jodler begrüßt. Daß sie in ihrem Korb schlafen soll, ist im Prinzip beibehalten worden. Allerdings schleicht sie sich morgens zu Julia ins Bett und dann wird eine halbe Stunde gemeinsam geschlafen, wobei Cibura ihren Kopf eng an Julias Hals schmiegt.

Durch ihre Reinlichkeit und unsere Aufmerksamkeit wurde sie schnell stubenrein.Wenn es einmal danebenging, hatten wir einfach die Zeichen übersehen oder gemeint, sie könne noch etwas aushalten. Alle brachten ihr große Zuneigung entgegen und wir wurden durch große Anhänglichkeit belohnt. Wenn jemand von uns das Haus verließ, jammerte sie, wenn sich jemand in ihren Sessel setzte, kam sie zu ihm und wollte gestreichelt oder gekrault werden, kam man nach Hause wurde Cibura überschwenglich begrüßt, und sie antwortete mit einem Jodler.

Bei der Erziehung, mit der Julia rechtzeitig begann, half auch Francy, der Entlebucher Sennhund, kräftig mit. Von ihr lernte Cibura anschaulich, was die Befehle "Sitz", "Platz", "Komm her" und "Bleib" bedeuteten. Es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, wenn sich das Spielen mit anderen Hunden anbot. Obwohl wir uns freuen, daß sie eine selbstbewußte Hündin ist, gab es immer wieder, und das schon sehr früh, Situationen, in denen sie versuchte, ihren Willen mit Drohgebärden durchzusetzen. Eine solche Situation entstand z.B. als sie versuchte, trotz des Befehls "Bleib" unter dem Gartenzaun hindurchzukriechen, um auf das Nachbargrundstück zu gelangen. Durch konsequentes Zurechtweisen, mit Schimpfen der ganzen Familie, war es möglich ihr aufzuzeigen, daß sie den Garten nicht verlassen darf. Trotzdem ist Vorsicht angesagt. Falls irgendetwas sehr starkes Interesse bei ihr hervorruft, und das ist alles was ihren Jagdinstinkt weckt, kann (bisher) für nichts garantiert werden!

Inzwischen ist Cibura fast 6 Jahre alt. Es gäbe noch viel von ihr zu berichten. Was wir jedoch vor allen den Menschen, welche noch nie einen Hund hatten und sich vielleicht für einen Basenji begeistern, aber vor der Herausforderung zurückschrecken, einen Hund dieser bei uns noch seltenen Rasse aufzuziehen, mitteilen möchten ist: Ja, es geht und es lohnt sich. Der Basenji ist ein liebenswerter, interessanter, intelligenter, kinderlieber und anhänglicher Hund, wenn Sie bereit sind, auf ihn einzugehen, konsequent mit ihm zu sein und ihm die Aktivitäten und Bewegungsmöglichkeit zu bieten, die er braucht.