Zur Problematik der Fanconi Erkrankung bei Basenjis

Als Fanconi Erkrankung wird in der Literatur das Ausscheiden von Glucose im Urin bei gleichzeitig normalem bis niedrigem Blutglucosespiegel bezeichnet. Begleitet wird dieses Krankheitsbild von vermehrter Wasseraufnahme in Verbindung mit erhöhtem Urinabsatz (Polydypsie und Polyurie). Weiterhin wird diese tubuläre Erkrankung der Nieren von einer ganzen Reihe weiterer Störungen, bei denen vor allem die Störung im Säure-Basenhaushalt sowie Störungen des Elektrolythaushaltes zu akut lebensbedrohlichen Zuständen führen können, begleitet. Um so früher die Diagnose gestellt werden kann, um so größer ist nach meinem Wissen die Chance, die Patienten für längere Zeit am Leben zu erhalten. Die Therapie der Fanconi Erkrankung muß sich heute aber noch alleine darauf beschränken, die Imbalancen des Körpers durch kontinuierliche Kontrollen und entsprechende Behandlungen zu korrigieren. Eine Heilung ist derzeit nicht möglich (und auch nicht in Aussicht). Daher bedeutet die Fanconi Erkrankung mehr noch für den Hundehalter als für den eigentlichen Patienten eine Einschränkung der Lebensqualität, da die erkrankten Tiere aufgrund des massenhaften Urinabsatzes fast zwangsläufig nicht mehr stubenrein sind.

 

Ein Besitzer, der sein Tier nicht aufgeben möchte, ist gefordert Mittel und Wege zu finden, um mit diesem Umstand leben zu können.

 

Sowohl die Diagnostik als auch die Überwachung der an Fanconi erkrankten Hunde ist relativ kostenintensiv und auch mit Problemen verbunden. So stellt die Überwachung des Säure-Basenhaushaltes mittels der Blutgasanalyse eine besondere Schwierigkeit dar, da in der Tiermedizin die entsprechenden Geräte in der Regel nicht verfügbar sind. Hier muß die Zusammenarbeit mit beispielsweise einer Humanmedizinischen Klinik oder einem Lungenfacharzt gesucht werden.

 

Zusammenfassend kann man sagen, Fanconi ist nicht heilbar, aber in gewissen Grenzen beherrschbar, fordert allerdings vom Besitzer eines erkrankten Hundes eine hohe Bereitschaft, mit dieser Erkrankung zu leben.

 

Fanconi ist nach heutigem Kenntnisstand eine angeborene Erkrankung und tritt vor allem bei Basenjis auf. In den letzten Jahren werden leider auch immer häufiger Krankheitsfälle in Europa bekannt, so daß alle, die mit der Zucht der Basenjis befaßt sind, eine besondere Verantwortung für die weitere Ausbreitung dieser Erkrankung tragen.

 

Derzeit stehen weltweit noch keine Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die Merkmalsträger dieser Erkrankung entdecken könnten. Daher sollten alle in der Basenjizucht Verantwortlichen mit einer besonderen Umsicht vorgehen. Die Rasse der Basenji stellt in Europa noch eine relativ kleine und überschaubare Population dar, weshalb ich noch gute Chancen sehe, die Fanconi Erkrankung bei dieser Rasse einzudämmen oder sogar zum Erlöschen zu bringen.

 

Paragraph 11 b des Tierschutzgesetzes besagt: " Es ist verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn der Züchter damit rechnen muß, daß bei der Nachzucht auf Grund vererbter Merkmale Körperteile oder Organe für den artgemäßen Gebrauch fehlen oder untauglich oder umgestaltet sind und hierdurch Schmerzen, Leiden oder Schäden auftreten." Ein Verbot, das leider bei der Zucht vieler Rassetiere mißachtet wurde und wird und daher häufig zu erheblichem Leiden der betroffenen Tiere führt.

 

Aber nicht nur wegen der Bestimmungen des Tierschutzgesetzes, sondern auch aus der moralischen Verantwortung der Rasse Basenji gegenüber sollten sich alle mit der Zucht befaßten Personen meines Erachtens an folgende, eigentlich selbstverständliche Regeln halten, um zu mindestens bei dieser Rasse nicht durch Ignoranz oder sogar Mutwillen Schmerzen und Leiden auf Dauer zu erzeugen:

  • Keine Zucht mit Hunden, die verdächtig sind, Merkmalsträger für Fanconi zu sein.
  • Absolute Offenheit gegenüber anderen Züchtern sowie den Hundehaltern, wenn bekannt wird, daß aus einem Wurf Tiere an Fanconi erkrankt sind.
  • Zusammenarbeit aller Züchter und Halter (auch vereinsübergreifend) bei der weiteren Erforschung der Krankheit - besonders bei der Entwicklung von genetischen Tests, um Merkmalsträger zu erkennen.
  • Die Prämierung von Zuchttieren sollte sich immer in erster Linie an der Erbgesundheit orientieren. Zum Wohle der Rasse sollten auch bereist angekörte Zuchthunde im Verdachtsfall von der Zucht ausgeschlossen werden.
  • Sobald Tests zur Früherkennung verfügbar sind sollten alle Züchter ihre Hunde untersuchen lassen sowie die Besitzer ihrer Welpen eindringlich bitten, diese ebenfalls untersuchen zu lassen.

 

Die Einhaltung dieser Regeln fordert manchem Züchter mit Sicherheit einige Opfer ab, dafür würde aber eine Rasse entstehen, die ein sehr seltenes Merkmal aufweisen könnte:

"...weitgehendste Freiheit von Erbkrankheiten".

 

Dr. Ralf Gerbig