|
(nach Prof. Dr. E. Seiferle) Wer sich einen Hund anschafft, muß sich auch darüber klar sein, daß er damit zusätzliche Verpflichtungen übernimmt: Verpflichtungen gegenüber dem Tier wie gegenüber seinen Mitmenschen. Denn der Hund ist weder ein Spielzeug, mit dem man sich so lange amüsiert, wie man Lust hat, und das man dann einfach beiseitestellen kann, noch ist er ein ,,wedelndes Menschenkind", das sich ungestraft verwöhnen läßt. Was der Hund also vor allem braucht, das ist Gesellschaft und Betätigung. Beides bieten wir ihm, wenn wir ihn zum Mitglied der Familie werden lassen, wenn wir ihm gestatten, mit uns zusammenzuwohnen, und uns so viel wie möglich mit ihm beschäftigen. Vernünftig erzogen, kann jeder Hund zu einem immer wieder Freude bereitenden Hausgenossen werden, der sich bei dieser Haltung zweifellos auch glücklich fühlt Als Ersatz für den heute nicht mehr notwendigen Energieaufwand zur Nahrungsbeschaffung, Feindvermeidung und Sicherung seiner sozialen Stellung innerhalb der Meute braucht der Hund ausgiebig Bewegung. Sie erhält ihn gesund und munter. Spaziergänge durch Feld und Wald, wo er sich austoben und seinen Trieben nachleben kann, bereiten ihm deshalb das größte Vergnügen. Dabei darf man jedoch wieder nicht vergessen, daß in vielen Hunderassen auch heute noch das einstige Raubtier schlummert, welches immer bereit ist, aufgespürtes Wild zu verfolgen. Dem ungestümen Bewegungs- und Betätigungsdrang einiger Rassen kann im städtischen Milieu meist nicht genügend entsprochen werden. Deswegen gehören solche Hunde nicht in eine kleine Innenstadtwohnung. Was nun die Sorge um sein leibliches Wohl anbelangt, so ist außer dem bereits Gesagten wiederum vor allem daran zu erinnern, daß der Hund ursprünglich ein gesellig lebendes Raubtier war. Er ist deshalb von Natur aus nicht auf mehrere Mahlzeiten am Tag eingestellt und vermag auch unbeschadet zu fasten, was manche Hunde zeitweilig von sich aus tun. Sein Magen zeichnet sich durch große Dehnungsfähigkeit aus und gestattet ihm, relativ große Quantitäten auf einmal zu verschlingen. Er frißt im allgemeinen heute noch gierig, wie einst an der gerissenen Beute, und pflegt sein Futter gegenüber Meutegenossen (andere Hunde oder Menschen) wie ehedem zu verteidigen. Müssen mehrere Hunde gleichzeitig gefüttert werden, dann gibt man jedem seinen Teil in einem eigenen Geschirr und stellt diese in einiger Distanz voneinander auf. Aus Futterneid können fressende Hunde, auch gegenüber Menschen, leicht aggressiv werden. Da der Hund kein Schwein ist, soll er nicht mit Küchen-
und Speiseabfallen gefüttert werden. Zudem schadet gewürzte
Nahrung seiner Gesundheit (Nierenschädigungen, Hautausschläge).
Eine Ausnahme bildet das Salz. Der Salzbedarf des Hundes ist gering
und mit einigen Körnchen pro Pation kommt er aus. Etwas Salz ist
also notwendig, um die Tiere bei guter Gesundheit zu halten. Heute noch
nach Jahrtausenden sind bei unseren hochgezüchteten Rassehunden
die Verdauungsorgane die gleichen, wie bei ihren wilden Artgenossen.
Dieser Punkt wird leider zu oft vergessen. Der Hund muß also andere
Bedürfnisse in der Ernährung haben als der Mensch. Deshalb
sollte man sich so eng wie möglich an das Beispiel der Natur halten
und kleine Mengen konzentrierter Nahrung geben, wobei Fleisch an 1.
Stelle steht. Schweinefleisch darf aber nur abgekocht verfüttert
werden, um den Hund vor der gefürchteten "Aujeszkyschen Krankheit"
zu schützen. Aber nur das Fleisch zu verfüttern und die Getreideprodukte außer acht zu lassen ist natürlich auch ein schwerer Fehler, denn das natürliche Gleichgewicht der Nahrung ist gestört. Wie schon gesagt, beziehen die wildlebenden Fleischfresser die notwendige pflanzliche Stärke aus den Eingeweiden ihrer Opfer. Dort befindet sie sich in halbverdautem Zustand, weil die Pflanzenfresser ihre Nahrung sorgsam kauen und einspeicheln, so daß der Verarbeitungsprozeß schon im Maule beginnt. Da der Hund nur oberflächlich kaut, ist es verständlich, daß er die Getreideprodukte nicht wie das Fleisch in roher Form verdauen kann. Die Körnerfrüchte müssen also aufgeschlossen, das heißt zubereitet werden. Dazu eignen sich am besten die aus Getreide hergestellten Flocken. Niemals können Teigwaren und Reis, die nur in weichgekochtem Zustand verabreicht werden können, die Körnerfrüchte ersetzen. Sie bilden im Magen des Hundes einen pappigen Brei, der zu Verdauungsstörungen und Mangelkrankheiten führen kann. Am schlechtesten eignen sich gekochte Kartoffeln als Hundefutter, da sie leicht garen und mit Fleisch vermischt sogar gefährlich werden können. Kartoffeln werden vom Hundeverdauungsapparat kaum aufgeschlossen. Zum Futter gehören auch Vitaminzusätze in Form von geriebenen Karotten, Zwiebeln und Äpfeln. Mancher Hund frißt gern Obst, auch gehackte Kräuter, Spinat und Salate sind sehr gut. Natürlich haben diese Vitaminträger nur einen Sinn, wenn sie frisch und in zerkleinertem Zustand dem Futter beigegeben werden. In grober Form sind sie für den Hund unverdaulich. Noch ein Wort zum Hundekuchen. Es dürfen niemals Fleisch und Hundekuchen zusammen verfüttert werden. Hunde verdauen den Hundekuchen nicht allzuleicht und ein solches Gemisch bringt den Verdauungsvorgang in Unordnung und übersäuert den Magen. Hundekuchen sind aber sehr praktisch zur Abwechslung und als Nebenfutter, sie sind auch zweckmäßig, um das Gebiß ausreichend zu beanspruchen. Ein weiteres tierisches Futtermittel sind die Knochen.
Auf freier Wildbahn werden die Knochen nur angerührt, wenn nichts
anderes zur Verfügung steht. Sie sind vor allem dem jungen Hund
vorbehalten. Die Kalbsknochen sind am besten, sie enthalten praktisch
alles, was ein Junghund braucht an Eiweiß, Kalzium und Phosphor
und anderes mehr. Bei dem erwachsenen Hund führt reichliche Knochenfütterung
zur anhaltenden Verstopfung. Der Absatz des harten Knochenkotes verursacht
schmerzhafte Beschwerden und es kommt zur chronischen Entzündung
der Anal-Drüsen. Bei einem älteren Hund soll man deshalb am
besten die Knochenfütterung einstellen. Wenn der Hund gesund und munter bleiben soll, dann darf
er nicht gemästet werden. Das regelmäßige Einschalten
von Fastentagen bekommt ihm besser als das Überfüttern mit
Süßigkeiten, die er zwar meist sehr liebt, die ihm aber auf
die Dauer nicht gut bekommen. Asthmatische "Fettlawinen", wie man sie
gelegentlich sich mühsam durch die Straßen wälzen sieht,
sind bedauernswerte Zeugen einer falschverstandenen Tierliebe. Ein gesunder Hund kann 30 bis 40 Tage ohne jede Nahrung
sein, wenn er Wasser zur Verfügung hat. Hunde, die richtigen Hunger
und kein Gramm überflüssiges Fett haben, sind erfahrungsgemäß
die gesündesten. Nun zu einem beispielhaften Diätplan des Hundes ab dem Welpenalter: 8.00 Uhr: Wir beginnen bei einem Welpen mit flüssiger Nahrung am Morgen. Man nimmt handwarme Milch zunächst mit einem Teelöffel Honig, der später bis zu einem Dessertlöffel gesteigert wird, wenn der Hund älter ist Dazu kommen Schmelzhaferflocken oder Matzingerflocken, alles zu einem dünnen Brei vermischt. Mittag: Eine Getreidemahlzeit Am besten ist es, man mischt sich einen Vorrat, bestehend aus gleichen Teilen Haferflocken, Weizenflocken und Weizenkeimdiät (Reformhaus). Diese Zerealien über Nacht in frische Milch einweichen (Buttermilch eignet sich dafür ausgezeichnet), dazu ein Teelöffel geflockte Margarine. Als Vitaminträger kommen geriebenes oder gehacktes Obst hinzu. Äpfel sind eine sehr gesunde Nahrung, auch Karotten und Trockenobst sowie Rosinen, Pflaumen usw. zwischen 16.00 und 20.00 Uhr: Die Hauptmahlzeit: Ungefähr 50 Gramm in Würfel geschnittenes Fleisch. Das Fleisch darf nicht zu fein gehackt sein, weil die kräftigen Magenmuskein für die Ver-arbeitung des Fleisches benutzt werden sollen. Allmählich gibt man das Fleisch in immer größeren Stücken. Das Fleisch wird mit Haferflocken und Kleie (Reformhaus) bestreut. Haferflocken und Kleie sind reich an Eiweiß und Mineralstoffen und werden dem Fleisch nur zur Verdauungsanregung zugefügt, um Haut und Fell zu ersetzen, die sich die wilden Tiere mit ihrer Beute einverleiben. Rauhfutter ist notwendig, damit die Magen- und Darmmuskeln sich richtig betätigen können, so daß die Nahrung gut verdaut wird und kein harter Kot entsteht Zu diesem Futter kommt noch ein Teelöffel Öl, im Winter Lebertran, im Sommer Olivenöl und gehackte grüne Kräuter (Löwenzahn, Petersilie, Brunnenkresse, Selierieblätter usw., eine Mischung von mehreren Kräutern ist am besten). Gelegentlich zum Fleisch ein rohes Eidotter geben. Das rohe Eiweiß läßt man weg, da es im Körper die Vitamine zerstört. Diese Portion wird nun geteilt und die eine Hälfte um 16 Uhr gegeben, die andere Hälfte um 20 Uhr. Nach vier Monaten läßt man die Morgenfütterung weg und füttert nur noch um 12, 16 und 20 Uhr. Die Menge des Futters wird etwas erhöht. Das Fleisch 80 bis 100 Gramm, Kräuter 1 Eßlöffel voll. Nach sieben Monaten füttert man nur noch zweimal täglich. Es ist noch zu beachten, daß auch der Welpe den Verdauungsapparat ausruhen und reinigen muß, dazu dient das Fasten. Jeder vier Monate alte Welpe soll einmal wöchentlich einen halben Tag und davon einmal monatlich einen ganzen Tag fasten. Man darf den Welpen das Futter nicht aufschmeicheln. Wenn sie nicht rasch genug fressen, müssen sie hungern. Der ausgewachsene Hund sollte nur einmal am Tage gefüttert werden, als zweite Mahlzeit höchstens ein paar Hundekuchen. Die Mahlzeit besteht aus zwei Teilen Fleisch, dazu ein Teil "Sonstiges" mit den rohen Vitaminträgern. Geben Sie ihm nicht einfach jeden Tag dasselbe, versuchen Sie in der Zusammenstellung des Fressens Abwechslung zu geben - gleich wie es die Natur tut. Durch die verschiedenen Arten des Fleisches, zum Beispiel einmal Kopffleisch, dann Leber sowie Kalbsmägen und Pansen, eines der gesündesten Futtermittel und unentbehrlich im Hundespeisezettel. Euter und Milz wird auch gern gefressen. Abwechslung bringt auch die Verschiedenheit der Zusätze wie Kräuter, Karotten und rohe gehackte Zwiebel, sie ist ausgezeichnet gegen Würmer und Hauterkran-kungen. Sie werden rasch herausfinden, was Ihr Hund gern frißt. Verschaffen Sie ihm Freude an seinem Futter. Füttern Sie ihn zu regelmäßigen Zeiten, seien Sie konsequent, da das nicht nur den Welpen hilft, sondern auch die häusliche Erziehung bedeutend erleichtert. Das Futter darf nie kalt gereicht werden, zum Beispiel aus dem Kühlschrank, sondern am besten körperwarm. Geben Sie aber nie Leckerbissen zwischen den Mahlzeiten. Wenn man gleich darauf achtet, wird man nie jenen Greuel des bettelnden Hundes haben. Nicht leergefressene Futtergeschirre sollen weggestellt und gereinigt werden, da sich die Tiere sonst leicht das appetitlose Naschen angewöhnen. Milch braucht nur der Junghund. Zwar wird sie meist auch von erwachsenen Hunden gerne genommen, das vermeide man beim ausgewachsenen Hund. Da die Milch ohne Inanspruchnahme der Verdauungsorgane viel zu leicht aufgenommen wird, kommt es zur Darmträgheit. Dagegen muß jedem Hund immer frisches Wasser zur Verfügung stehen. Genaue Mengen können aus verschiedenen Gründen nicht angegeben werden. Die verschiedensten Faktoren spielen dabei eine Rolle; Alter, Körperbau, Qualität der Nahrung, die Bewegung, die der Hund hat, sogar sein Temperament. Doch wird man die nötige Menge bald feststellen. Das Gewicht der Nahrung, die der heranwachsende Hund erhalten soll, beträgt ein Zwanzigstel bis ein Zwölftel seines Körpergewichtes. Es variiert je nach Wachstumsgeschwindigkeit. Beim ausgewachsenen Hund, mit 1 1/2 Jahren etwa, ist jedoch selten mehr als ein Zwanzigstel erforderlich. Man meint nun, der Hund könne mit den angegebenen Mengen nicht auskommen, "er habe ja immer Hunger" auch wenn er gerade gefressen hat. Da kommen wir wieder zurück auf seine Verwandten Wolf, Fuchs und Schakal. Wenn diese Tiere einmal Beute gemacht haben, fressen sie solange bis nichts mehr da ist, aus Angst, ihre Genossen könnten ihnen etwas wegnehmen. Alle Hunde legen Wert auf ein trockenes, zugluftfreies, warmes Lager, in das sie sich nach dem Fressen gerne zurückziehen, um ihr Verdauungsschläfchen zu machen. Auch das ist eine Gewohnheit, die der Haushund von seinen wilden Vorfahren übernommen hat. Man vergesse nie, daß der Hund heute zu einem
an sich völlig unnatürlichen Leben gezwungen ist, das wir
ihm durch entsprechende Haltung nach Möglichkeit erleichtern wollen.
Als außerordentlich feinfühliges Tier weiß er uns eine
verständnisvolle Behandlung durch bedingungslose Anhänglichkeit
und Treue auf seine Weise zu danken. |