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Einige Überlegungen vor der Anschaffung eines Hundes

Ihr Wunsch, einen Hund zu besitzen, steht fest. Ihnen ist bewußt, daß Sie eine Verpflichtung für viele Jahre eingehen und dafür auch die persönlichen Voraussetzungen mitbringen müssen. Ihnen ist auch klar, daß der Mensch kein Recht hat, sich ein Lebewesen anzuschaffen, weil es gerade chic und modern ist, z.B. einen Hund zu haben. Sie sind sich auch sicher, daß Sie nicht unkritisch dem Wunsch Ihrer Kinder nach einem Hund folgen oder aus (falsch verstandenen) „pädagogischen Gründen“ der Meinung sind, daß ihre Kinder mit einem Hund aufwachsen sollen. Sie sind davon überzeugt, die wichtigsten Regeln für eine erfolgreiche Hundehaltung zu erfüllen, nämlich Geduld und das nötige Durchhaltevermögen, liebevolle Konsequenz und reaktionsschnelles Handeln bei der Erziehung, möglichst viel Familienanschluß, klare Rangordnungen zu schaffen, Befriedigung der natürlichen Hundebedürfnisse (Bewegung, Spiel, Arbeit oder Aufgaben), Verstehen des Verhaltens und der „Sprache“ des Hundes.

Die räumlichen Bedürfnisse von Mensch und Tier sind abgeklärt und über die laufenden Kosten (Unterhalt, Tierarzt, Steuern, Versicherung) herrscht Klarheit. Im Falle von Urlaub, Erkrankungen oder anderen unvorhersehbaren Ereignissen sind Lösungen parat.

Die folgenden Ausführungen können nur Denkanstöße sein. Außerdem sind bei der individuellen Anschaffung eines Hundes noch weitere Faktoren zu berücksichtigen, wie z.B. gibt es Kinder in der Familie oder sind welche geplant, gibt es andere Haustiere (Hund, Katze) usw.


Rassehund oder Mischling?

Es ist Ihre ganz persönliche Entscheidung, ob Sie der Faszination einer Rasse oder dem Liebreiz eines Mischlings unterliegen. Dabei gibt es jedoch zwei Vorurteile, die nicht auszurotten sind.

Der Mischling ist gesünder als ein Rassehund.


Richtig ist, daß durch übertriebene Zucht auf bestimmte Rassemerkmale einige Krankheiten oder unerwünschte Charaktereigenschaften bei Rassehunden häufiger auftreten als üblich. Jedoch können auch Mischlinge ebenso solche Anlagen in sich haben. Richtig ist auch, daß bei halbwild aufgewachsenen Hunden, einem beliebten Urlaubsmitbringsel besonders aus dem südeuropäischen Ausland, die Natur eine natürliche Auslese vornimmt und nur die widerstandsfähigsten Hunde überleben. Hierbei gilt jedoch zu berücksichtigen, daß in den entscheidenden Entwicklungsphasen eines Welpen die so notwendige Prägung auf den Menschen oft völlig fehlt. Somit sind die meisten Hunde gar nicht mehr zu einer echten Partnerschaft mit dem Menschen in der Lage, welches besonders bei Familien mit Kindern zu einem echten Problem werden kann.

Dagegen sind bei einem Rassehund die typischen physischen und psychischen Veranlagungen bekannt und es herrscht weitgehende Klarheit in bezug auf Krankheiten und Verhalten. Bei Welpen aus einem Mischlingswurf kann in der Regel nicht vorausgesagt werden, wie groß diese Hunde werden. Wenn Sie sich zum Beispiel einen Hund wünschen, welcher nicht bellt, der sich wie eine Katze putzt und dem der typische Hundegeruch fehlt, so kann Ihnen dies kein Mischling sondern eben nur ein rassereiner Basenji bieten.


Der Mischling ist klüger als ein Rassehund.

Versuchen sie einmal, Klugheit oder Intelligenz zu definieren. Was ist Intelligenz, wo sind ihre Grenzen, woran erkennt man intelligentes Handeln? Sind besondere Fähigkeiten ein Teil von Intelligenz? Ist ein genialer Musiker oder Maler, welcher bei den einfachsten Rechenaufgaben versagt, nicht intelligent?

Bei einem Hund kann man verschiedene Formen von Intelligenz unterscheiden: die adaptive Intelligenz, die Arbeits- oder Gehorsamsintelligenz und die instinktive Intelligenz. In der Praxis werden in der Regel Mischformen auftreten, außer bei extrem auf eine Intelligenzform gezüchteten Linien bestimmter Rassehunde. Bevorzugen Sie bestimmte Fähigkeiten eines Hundes, so bietet der Rassehund relative Sicherheit, daß er diese in sich trägt. Ein Mischling ist eher der Allrounder, der von allem etwas weiß und viele Fähigkeiten ansatzweise in sich trägt, aber keine dieser Anlagen perfektioniert.

Der Rassehund

Es gibt ca. 400 anerkannte Rassen. Hier empfiehlt es sich, nach bestimmten Auswahlkriterien vorzugehen. Eine erste grobe Unterscheidung kann getroffen werden nach Eignung und Möglichkeiten, die der Hund bietet. Wollen Sie einen Wachhund, der Grundstück und Haus beschützt, also meist draußen lebt oder einen wachsamen Hund für die Wohnung? Fühlen Sie sich zu einem reinen Wohnungs- und Familienhund hingezogen oder wollen Sie einen Luxushund, welcher z.B. besonderer Haarpflege bedarf, um seine volle Schönheit zu entfalten? Haben Sie Kinder oder sind Sie bereits älter? Wandern sie gerne? Möchten sie einen Hund zum Repräsentieren? Bevorzugen Sie eine temperamentvollen oder eher ruhigen Hundetyp? Suchen Sie einen Hund, der nur auf Sie bezogen ist oder ein Rudeltier? Legen Sie Wert auf Gehorsam oder ist Ihnen eine Kamerad- bzw. Partnerschaft wichtiger, in der der Hund seinen (rassetypischen) eigenen Willen ausleben kann, letzteres gilt z.B. für den Basenji.

Weitere Entscheidungkriterien können sein:

Größe
Die Palette reicht vom Chihuahua mit einer Größe von ca. 15 - 23 cm bis zum Irischen Wolfshund mit einer Schulterhöhe über 90 cm. Hier wird oftmals schon durch den individuellen Platzbedarf eine Vorauswahl getroffen. Nicht zutreffend ist auch die oft geäußerte Meinung, kleine Hunderassen benötigen weniger Bewegung. Im Gegenteil, oftmals haben kleinere Hunde einen erheblich größeren Bewegungsbedarf als sehr große. Wer jemals versucht hat, einen Basenji zu Fuß wirklich müde zu machen, wird wissen, was gemeint ist.

Fell
Im täglichen Umgang mit ihrem Hund spielt das Fell für viele Menschen eine große Rolle. Ein langhaariger Hund braucht meist eine intensivere Fellpflege im Vergleich zum kurzhaarigen Hund, nicht nur nach einem Spaziergang bei nassem Wetter oder in Feld, Wald und Wiese. Manche Menschen mit einer Neigung zu Allergien haben mit kurzhaarigen Hunden oftmals weniger Probleme. Nicht immer zutreffend ist jedoch, daß ein kurzhaariger Hund in der Wohnung weniger Probleme bereitet im Vergleich zu einem langhaarigen. Das kurze Haar eines Dalmatiners z.B. ist nur mit größter Mühe aus Polstern und Teppich zu entfernen, wohingegen viele Haarbüschel von langhaarigen Hunden mit wenig Aufwand zu entfernen sind.

Lefzen
Hunde mit hängenden Lefzen sabbern nicht nur beim Fressen oder Trinken. Manche Menschen stören oder ekeln sich vor den Schleimfäden am Maul des Hundes. Denken Sie daran, daß der Hund beim Schütteln des Kopfes diesen Schleim überall verteilt, z.B. auch auf Ihre Ledercouch.

Wesensveranlagung
Möchten sie mit einem Hund „arbeiten“, z.B. Jagd, Schutzhundesport, Rettungshundearbeit oder Hundesport wie Agility, Coursing etc. bieten sich viele Rassen an. Oftmals ist aber nicht gesagt, daß außer den „üblichen“ Rassen nicht auch andere Rassen sich für bestimmte Dinge eignen. Der Basenji z.B., obwohl kein klassischer Windhund, fühlt sich auf der Rennbahn oder beim Coursing äußerst wohl.

Klimatische Verhältnisse
Es ist sehr wichtig für das allgemeine Wohlbefinden des Hundes, daß er den klimatischen Verhältnissen seiner Umgebung angepaßt ist. Wie kann sich ein Hund einer nordischen Rasse mit langem Fell in Südeuropa bei Temperaturen über 30°C wohlfühlen?


Tierheimhunde

Im Tierheim findet man meist ausgewachsene Hunde mit einem traurigen Schicksal. Diese Hunde zeigen in dieser unnatürlichen Umgebung selten ihre individuellen Eigenarten. Außerdem gibt es oft nur unzureichende Informationen über das Vorleben. Voraussetzung ist auf jeden Fall Sachkenntnis über mögliches (Fehl-)Verhalten von Hunden und sehr viel Einfühlungsvermögen. Das Tier kann unter Krankheiten leiden, welche durchaus psychosomatischen Ursprungs sein können, z.B. Durchfall, Appetitlosigkeit, schlechtes Fell etc. Auf keinen Fall darf Mitleid der Grund sein, sich für einen Tierheimhund zu entscheiden. Später auftretende Probleme, welche eine erneute Heimunterbringung notwendig machen, verschlimmern nur das Leid des Hundes.


Urlaubshunde

Immer häufiger werden aus Mitleid Hunde aus dem Urlaub, besonders Südeuropa, mitgebracht. Denken Sie daran, daß Sie nichts über das Tier wissen. Das Wesen und der Gesundheitszustand lassen sich nicht durch kurze Beobachtungen erkennen. Die Hunde sind auch ihre Freiheit gewohnt und leiden in unseren Städten und unserem Klima oftmals mehr als in ihrem täglichen Kampf um das Überleben in ihrer Heimat. Gelingt eine Eingliederung nicht, droht das Tierheim, was dann das allerschlimmste Schicksal für diese Tiere darstellt. Hundeerfahrenen Menschen kann es durchaus gelingen, manchen Tieren ein gutes Zuhause zu geben, dies ist aber nicht die Regel.


Hunde von einem Händler

Kaufen Sie in der Regel keinen Hund bei einem Händler oder aus dem Schaufenster eines Geschäftes. Meist sind dort die Hunde nicht selbst gezüchtet, sondern aus oftmals nicht nachvollziehbaren Quellen erworben. Die Welpen wachsen meist unter Massentierhaltungs-Bedingungen auf. Bedenken Sie immer, daß der Händler ausschließlich ein gewerbliches Interesse am Tier hat, das heißt, mit geringstem Aufwand den höchsten Ertrag zu erzielen. Der Hund ist für den Händler eine Ware und Sie für ihn nur ein zahlender Kunde. Kein seriöser Züchter verkauft seine Welpen an einen Händler!


Rüde oder Hündin


Vorurteil 1:

Mir einem Rüden habe ich weniger Probleme im Zusammenleben mit anderen Hunden.

Vorurteil 2:
Eine Hündin ist liebebedürftiger und zärtlicher.

Die Entscheidung für einen Rüden oder eine Hündin ist im wesentlichen persönlich motiviert.
Beide Geschlechter haben ihre Vor- und Nachteile. Geschlechtsreife Rüden markieren ihr Revier, z.B. den eigenen Garten. Natürlich setzen sie ihre Markierungen auch außerhalb ihres Reviers, besonders wenn eine läufige Hündin in der Nähe ist. Eine irrige Ansicht ist es, daß Hündinnen überhaupt nicht markieren. Sie tun es nur nicht so intensiv wie Rüden. Aber auch eine Hündin versucht, die Hinterlassenschaft einer Konkurrentin mit ihrer eigenen Duftnote zu überdecken. In der Zeit der Läufigkeit setzt jede Hündin viele Duftmarken ab, damit ja jeder Hundemann auch informiert wird.

Ein Rüde ist das ganze Jahr triebgebunden und sucht eine deckbereite Partnerin, während eine Hündin nur in der Zeit der Läufigkeit einen Partner sucht. In der Zeit des Höhepunktes der Läufigkeit zieht es die Hündin extrem zu anderen Rüden hin, wohingegen der Rüde, wenn er die Möglichkeit hat, seinem Naturtrieb folgend das ganze Jahr streunen kann, sobald eine läufige Hündin in der Nähe ist. Bei der Hündin sind jedoch Belästigungen durch andere „Freier“ nicht ausgeschlossen, was besonders bei Spaziergängen zu unerfreulichen Begegnungen führen kann.

Eine Hündin wird in der Zeit der Läufigkeit Blut und teilweise Schleim absondern, was auch im Haus zu Verunreinigungen von Teppich, Möbeln, Bett etc. führen kann.
In diesem Zusammenhang tauchen immer wieder die Fragen auf, muß ein Rüde einmal decken oder muß eine Hündin mindestens einmal belegt werden. Ein Rüde kann, ist er einmal auf den Geschmack gekommen, intensiver nach läufigen Hündinnen suchen. Hat er einmal gedeckt, ist dies kein Grund, daß er zum Wohlbefinden nun regelmäßig Hündinnen belegen muß. Es ist eine irrige Annahme, daß sonst Stoffwechselstörungen etc. auftreten können.

Bei einer Hündin ist die Frage nach einer Schwangerschaft immer wieder umstritten. Wird eine Hündin nicht belegt, kann es z.B. genauso zu Gebärmutterentzündungen kommen wie bei einer Hündin, welche bereits Welpen hatte. Scheinträchtig kann jede Hündin werden, unabhängig ob sie schon einmal Junge hatte oder nicht. Eine Wesensveränderung nach einer Trächtigkeit kann bei einer Hündin festgestellt werden, jedoch meist nicht zum Nachteil.

In der Literatur findet man immer wieder die Verhaltensunterschiede zwischen Rüde und Hündin verallgemeinert dargestellt. Ich halte es für sehr bedenklich, dies ohne individuelle Berücksichtigung des Tieres, seiner Herkunft, Aufzucht und vieles mehr zu übernehmen. Nicht jede Hündin ist im Vergleich zum Rüden gelehriger, besitzt eine größeres Verlangen nach Streicheleinheiten oder ist reinlicher. Genauso wenig trifft es zu, daß der Rüde in der Regel mehr Spiel und Bewegung braucht, eher etwas zerstört oder aggressiver und dominanter zu Mensch und Artgenossen ist.


Welpe oder erwachsener Hund

Neigen sie dazu, einen fertigen stubenreinen Hund haben zu wollen und sind ihnen die Welpenspiele, das tolpatschige Auftreten, das Entdecken und Untersuchen alles Neuen ein Greuel, so ist ein Welpe nicht geeignet. Er wird an allem Möglichen nagen, spielen und zerren und läßt sich nicht sehr gut an der Leine führen.
Dies alles kann zu Belastungen führen. Aber: Ist es nicht die eigene Bequemlichkeit, die Arbeit und Verantwortung für eine gesunde körperliche und seelische Entwicklung des Hundes aus der Hand zu geben. In den ersten Wochen und Monaten werden die Anlagen gelegt, was später aus dem Hund wird. Nicht nur die Sozialisierung, auch die Ernährung spielen eine wesentliche Rolle. Ein verantwortungsvoller Züchter sorgt neben einer guten ersten Prägung auf den Menschen auch für die richtige Nahrung. Ein schlecht oder mangelhaft ernährter Welpe kann später öfter zu Krankheiten neigen. Schäden an Knochen und Gelenken können ihre Ursachen in nicht aufzuchtgerechter Nahrung in den ersten Wochen und Monaten haben. Sie bestimmen in den ersten Lebensmonaten mit, was aus ihrem Hund wird.
Wer einmal selbst einen Welpen großgezogen hat, wird in der Regel sagen, daß er mit die glücklichsten, lustigsten und vergnüglichsten Stunden in der ersten Zeit im Leben des Hundes verbracht hat. Ein Welpe bedeutet Arbeit und Mühe, aber er belohnt seine Menschen vielfach dafür.